Videonachruf auf einen großen Politiker, der sympathisch nie mit seiner Meinung hinterm Berg hielt, direkt, offen, kritikfähig war - so wie eigentlich alle Politiker sein sollten.
Wer eine Ahnung davon haben möchte, wie es in Deutschland zukünftig aussehen wird, dem sei ein Besuch eines städtischen Supermarktes zur Mittagszeit empfohlen:
Mehr Gehilfen als Einkaufs- und Kinderwagen zusammen.
Oder (mit Blick auf die Jüngeren) man liest "Haste was, dann wirste was" im SPIEGEL. Ein beklemmendes Portrait einer nicht mehr existenten Chancengleichheit.
Englisch für 5 Monate alte Babys. Chinesisch als 2. Fremdsprache mit drei. 6 Vereine und Null Freizeit.
Dieser Typus Eltern ist für mich die Hölle - ich hoffe inständig, dass ich nie so werde. Sagt Bescheid, wenn doch.
Ein Meinungsbeitrag von Karsten Polke-Majewski in der ZEIT zum Thema Internet und Politik: "Reguliert das Netz!"
"Dieses Desinteresse und die fehlende Netzkompetenz vieler Politiker werden zu einem gesellschaftlichen Risikofaktor."
Ist am Ende die Piratenpartei die GRÜNE-Partei des aktuellen Jahrzehnts? So wie damals kurz nach der Gründung der GRÜNEN das neue Umweltministerium für den Fokus eines neuen Lebensgefühles gegründet wurde, könnte der Piratenpartei (und ihren Erfolgen?) ein ebensolchen für das Internet folgen.
Der SPIEGEL ist auf die naheliegende Idee verfallen, die Parteiprogramme der größeren Parteien durch Wordle zu jagen - einen Generator von Wortwolkenvisualisierungen.
Das ist dabei heraus gekommen:
Die SPD sieht noch recht normal aus. "Bildung", "Menschen", "Deutschland" ... alles recht ausgewogen, nichts sticht wirklich hervor.
Bei den Grünen scheint der "Gesellschaftsvertrag" eine zentrale Rolle zu spielen. Und "Neu" scheint alles sein zu müssen.
Die "Linke" stellt sich scheinbar selbst sehr gern ins Zentrum ihres tun. Politik um des Selbstzweckes. Oder: Egal was wird, wir wollen im Mittelpunkt stehen.
Die CDU sieht "Deutschland" als das zentrale Thema. Nun gut. Das kennt man von ihr.
Bezeichnend die FDP: Der Ruf nach "mehr" brüllt einen geradezu an. Mehr Netto. Mehr Brutto. Mehr von allem. Das schreit die Hausmacht derer, die weiter auf unerschöpfliche Bonuszahlungen hoffen.
Ein weniger vom "mehr" wäre vielleicht mal angesagt.
Beim SPIEGEL gibt es seit neuestem einen Wahl-O-Maten für seine Direktkandidaten. Da kann man ähnlich dem "echten" Wahl-O-Mat Fragen beantworten und bekommt seine Übereinstimmung mit den verschiedenen Direktkandidaten seines Wahlkreises geliefert.
Landläufig ist man ja der Meinung, dass Unternehmen die von einem erhobenen Daten (Anschriften, Alter, etc.) nicht weitergeben darf und das verboten ist.
Vor meinen Augen ist nun auch dieser letzte Strohhalm gefallen, der einem zumindest ein Restgefühl der Sicherheit im weiten Feld des uferlosen Datenhandels gab.
Pustekuchen.
Es gibt das Listenprivileg, durfte ich diese Woche lernen:
"Demnach ist es erlaubt, Adressenlisten mit Name, Anschrift, Geburtsjahr, Beruf und einem weiteren Merkmal zu speichern, an Dritte weiterzugeben sowie für werbliche Ansprache, insbesondere im Direktmarketing, und Marktforschung zu nutzen. Eine Zustimmung des Betroffenen ist dabei nicht erforderlich."
Dann können wir den Datenschutz in Deutschland eigentlich auch ganz abschaffen - dann brauch ich mich über Werbeanrufe nicht mehr zu wundern. Unser aller Daten sind eh im freien Handel.
Und dass Cold-Calls ja nun verboten sind, ist auch nicht das Papier wert, auf dem dieses "Recht" steht. Rufnummernunterdrückung, falsche Rufnummern im Ausland, falsche Impressumsangaben - all das reicht aus, um sich vor einer (sicher nie stattfindenden) Verfolgung ausreichend zu schützen.
Seit heute nun ist der Wahl-O-Mat online. Man kann seine Meinung zu 38 Fragen abgeben und bekommt im Ergebnis eine Wertung, mit welchen Parteien man am ehesten übereinstimmt und mit welchen nun mal gar nicht.
Das erste mal überhaupt überlege ich, was ich wählen soll. "Nichtwählen" war dabei nie eine Option. Dennoch stimmt mein Ergebnis zumindest nachdenklich:
An der Spitze Grüne/Piraten/SPD ... nahezu gleich auf. Da kann man schon mal die Erst- und Zweitstimme splitten.
Auch interessant das andere Ende der Liste: Der Wahl-O-Mat sagt, ehe ich die CDU wähle, möge ich doch lieber die NPD wählen. Das ist mal eine krasse Aussage.
Anmerkung 1: Die CDU ist die einzige Partei, die für eine Weiterführung der Atomkraftwerke ist.
Anmerkung 2: Der Knüller am Wahlabend wären die dummen Gesichter von Schäuble und von-der-Leyen, wenn die Piraten die 5% knacken. Werden sie leider jedoch nicht.
Ein wunderbarer Artikel in der ZEIT, der einmal die gesamten politischen Strömungen meiner Generation im außerparteilichen Bereich betrachtet.
Warum gibt es die Piratenpartei? Warum bleibt die Jugend den Parteien fern? Und warum ist sie dennoch alles andere als politikverdrossen?
Kann man ruhig mal lesen - auch wenn vieles für die Leser dieses Blogs bekannt sein dürfte. Und die, die es eigentlich angeht - die Internetausdrucker - lesen sowas ja eh nie.
Die SED Linken verarschen den Wähler, und der merkt es nicht.
Da hängen innerhalb weniger Meter diese zwei Wahlplakate der SED Linken am Straßenrand:
Fällt da keinem was auf? Man muss nicht besonders helle sein und nur eine Sekunde weiterdenken, um zu sehen, dass die SEDLinke auf diesem Wege Arme, Rentner und HarztIV-Empfänger zur Kasse bitten will.
Tippen Sie jetzt die Posten, die die SPD-Minister nach verlorener Wahl in der Industrie übernehmen werden. Es sind genügend Aufsichtsratsposten frei. Was dem Kommunalpolitiker die Stadtwerke sind, ist dem Bundespolitiker der Energiekonzern.
Es rollt die Gegenwelle, glaubt man den großen Meinungsblättern dieser Tage: Der ganze Hype um die Kinderfrühförderung mit 5 Vereinsaktivitäten und mehr für einen 3 jährigen und Englisch in der Krippe bekommt nun seinen verdienten Dämpfer. Das Pendel derKinderfrühförderung schlägt in die andere Richtung aus*.
Sehr lesenswert unter vielen Artikeln in diesem Zusammenhang:
Sowohl ZEIT als auch SPIEGEL machen dieser Tage mit dem Thema auf:
*Man kann es auch aus einer anderen Perspektive sehen:
Weil es uns nicht gelingt, nach dem PISA-Schock unser Bildungssystem vernünftig umzustrukturieren, verdammen wir das bisherige Ziel des umfassend gebildeten Superkindes und erklären den Status-Quo als mehr als ausreichend.
Das ist nicht meine Meinung - aber eine denkenswerte Variante.
Dieter Althaus instrumentalisiert seinen Ski-Unfall, bei dem er eine Amerikanerin tötete, für den Landtagswahlkampf. Soweit, so normal, möchte man sagen und hoffen, dass die anderen Parteien es im gleich tun und nicht auf seine Finte reinfallen.
Das alles hat er in einem Interview mit der BAMS getan und dabei natürlich viel über den Unfall gesprochen, berichtet der SPIEGEL.
Das finde ich in dem Kontext dann schon krass - ich hätte erwartet, sein einziger Wunsch wäre, den Unfall ungeschehen und die getötete Mutter lebendig zu machen.
So viel Abgebrühtheit ist schon richtig finster.
Einige Prominente haben ein sehr interessanten "Werbespot" zur Bundestagswahl gemacht. "Geh nicht hin". Sehr schön gemacht. Und auch wenn am Ende alles in einem Happy End mündet, regt es zum Nachdenken an:
Denn, was hat es mit den Nichtwählern auf sich? Ist ein Fernbleiben bei der Wahl wirklich so schlimm?
Die Predigten, man möge doch bitte zu Wahl gehen, weil man ja sonst die extremen Parteien unterstützt, sind zwar ehrenhaft - jedoch kann ich sie statistisch nicht nachvollziehen.
Wenn von 200 Leuten 100 zur Wahl gehen und man annimmt, dass die anderen 100 Leute ziemlich ähnlich gewählt hätten in ihrer Verteilung auf die Parteien, hätte eine "Zur Wahl gehen" der 100 Nichtwähler keinen Einfluss.
Und warum sollten gerade die Nichtwähler völlig anders wählen als die artigen Wähler? Ist nicht sogar viel mehr anzunehmen, die Nichtwähler sind noch verdrossener und gefrusteter als der gemeine Wähler und würden, zur Wahl gedrängt/genötigt/überredet, demnach sogar überproportional die extremen Parteien wählen?
Vom Gegenteil auszugehen, dass Nichtwähler überproportional vernünftige Alt-Parteien wählen, halte ich jedenfalls für sehr gewagt.
Die CDU läuft ja derzeit zu "Hochform" auf: Erst die Sache mit den (durch Vattenfall?) erzwungenen Wahlen in Schleswig-Holstein, und nun der geklaute Wagen von Ulla Schmidt. Mich würde nicht wundern, wenn man in 10 Jahren herausfinden würde, dass Ulla Schmidts Fahrer in Maulwurf war, und das die CDU über einen Mittelmann den Wagen hat klauen lassen. Natürlich wird sie leugnen, den Mann jemals auch nur getroffen zu haben. Geschweige denn, ihn bezahlt zu haben.
Was ist eigentlich schlimmer: Mehrere Millionen an Spenden zu unterschlagen oder für 3.200€ einen Dienstwagen allen Anschein nach rechtmäßig nach Spanien zu schicken?
Sicher ersteres.
Nur unter letzterem kann sich der Deutsche Michel einfach mehr vorstellen. Ein Dienstauto, was man mit in den Urlaub nehmen kann, ist blanke Dekadenz und geht ja wohl gar nicht. Dubiose Koffer mit Millionen und Geschäfte in der Schweiz sind da abstrakter und finden sich im Alltag des Michels seltener - die packt er in die Abteilung "Sofortiges Vergessen", wo auch die Zahlen des Statistischen Bundesamtes sofort immer laden.
Das Bashen von Politikern ist ja schon seit einiger Zeit Volkssport. Macht man da nicht mit oder findet es nicht gut, ist man ja gleich verdächtig, ein Ignorant oder im schlimmsten Falle selber einer dieser gehassten Kaste.
Der Frauenarzt Dr. Christian Nißler bringt das breite Volksgefühl heute auf der Leserbriefseite der Volksstimme (immer wieder einen Besuch wert!) auf eine prägnante Formel*:
"Man muss sich nur vor Augen halten, warum jemand in die Politik geht, sich hocharbeitet und Ämter übernimmt: In meinen Augen nur, um fast unbegrenzte Macht, Einfluss, Freiheit und Geld zu haben, damit erklärt sich alles."
Dr. Christian Nißler in der Magdeburger Volksstimme vom 29.07.2009
* ... im Zusammenhang mit der Dienstwagenaffäre (die keine Affäre ist) von Ulla Schmidt.
Also wenn ich "Macht, Einfluss, Freiheit und Geld" haben wollen würde, würde ich als aller letztes Politiker werden. Dann würde ich vielleicht einen Chefposten einer größeren Bank anstreben. Oder mich einer Lobbyorganisation hocharbeiten - beides wesentlich einfacher als sich über Jahrzehnte durch die Ortsvereine der Parteien zu dienen.
"Freiheit" haben Politiker nicht wirklich viel - da hab ich als Otto-Normalangesteller mehr. "Geld" kann es auch nicht sein. Für weniger Leistung mit dem gleichen Können verdient man in der freien Wirtschaft sicher mehr. "Einfluss" hat man als Lobbyist sicher auch genug. Und "Macht" ist ein sehr schwammiger Begriff - "Macht" hat man als Chef einer mittelständischen Firma über seine Angestellten auch in gewisser Weise.
Der schleswig-holsteinische CDU-Ministerpräsident löst ein wenig überraschend die Koalition auf um dann auch noch die SPD-Minister binnen 24h ihre Büros räumen zu lassen. Und das, wo die SPD-Umweltministerin gerade dabei war, das Atomkraftwerk Krümmel stillzulegen.
Gerade noch rechtzeitig, wird da mancher Vattenfall-Vorstand seufzen.
Weniger überraschend wäre für mich dann in 5 Jahren die Enthüllung, dass der CDU-Ministerpräsident ein Vattenfall-Angestellter ist, der genötigt wurde, schnell zu handeln, bevor die böse SPD-Ministerin das große Millionengeschäft kaputt macht.